Suchtprävention

Beitrag von Dorothée Meissner

Heute bin ich seit fast acht Jahren rückfallfrei „trocken“ und doch bleibe ich eine Alkoholikerin. Seit acht Jahren räume ich mein Leben auf mit all seinen Facetten, in aller Tiefe, gemeinsam mit mir sehr nahestehenden Personen. Und ich habe mir persönlich den Titel „Präventionsbeauftragte“ verliehen. Denn: noch immer frage ich mich, „wo war der Anfang?“ „an welcher Stelle hätte ich intervenieren können/müssen/sollen?“ „was können wir Erwachsene tun, um die Suchtgefahr für unserer Kinder zu minimieren?“

Was können wir Erwachsene tun, um die Suchtgefahr für unsere Kinder zu minimieren?

Der erste Schlüssel ist das Selbstgefühl. Jede und jeder von uns kann tagtäglich immer wieder in den Spiegel schauen: „bin das wirklich ich?“ „möchte ich mich mir selbst genau so zeigen?“ „möchte ich wirklich genau so in die Welt hineinwirken?“ „bin ich achtsam, meinen Potentialen gegenüber und schaue ich immer wieder genau hin, auf all das, was mein gegenwärtiges Leben ausmacht?“ „an welchen Stellen habe ich wirklich Handlungsspielraum und wie fülle ich diesen Spielraum aus?“

Primärprävention aus meiner heutigen fachlichen Sicht: die Selbsterfahrung sollte allen zugänglich sein – sie kann leicht und spielerisch bereits im Kindergarten beginnen. In allen pädagogischen Ausbildungen muss sie einen hohen Stellenwert haben.

Suchtprävention beginnt bei mir selbst, ich bin mir bewusst darüber, dass jede Vermeidung mich verharren lässt in dem Stadium, in dem ich gerade bin. Vermeidung kann situativ gesund und sinnvoll sein, aber als Dauerzustand vermeidet sie Entwicklung. Vermeidung von Gefühlen, Gedanken, Auseinandersetzungen mit Menschen, oder wichtigen Themen mit Einsatz einer Substanz ist der Beginn einer Suchtgefährdung. Das kann Zucker sein, bestimmte Getränke, Alkohol, Zigaretten, Drogen allgemein, Arbeit, Sport und so weiter…

Immer dann wenn in uns der Satz erscheint „jetzt brauche ich erst einmal…“ können wir uns fragen, warum wir meinen, genau jetzt etwas zu brauchen…und dann fühlen wir in uns hinein und entscheiden uns, vielleicht auch mal für ́s Vermeiden.


Dorothée Meissner

Kindergärtnerin – Beziehung statt Erziehung, familylab-Semiarleiterin

1962 geboren, brenne ich besonders für Primärprävention und lebenslanges Lernen. Mit 21 Jahren gab ich meinen ersten Sohn zur Adoption frei. Seitdem er 21 Jahre alt ist haben sein jüngerer Bruder und ich einen sehr intensiven Kontakt. Mit vielen Höhen und Tiefen wandeln wir durch unsere Lebenszeiten. Der höchste Wert ist unsere lebendige Beziehung, das echte Miteinander, ohne wenn und aber. Traumaheilung ist möglich, das durften ich selbst erleben und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht dankbar dafür bin, wesentliche Brüche und Blockaden innerhalb unseres Familiensystems gelöst zu haben. Heute habe ich große Freude daran, jeden Tag neu alte Muster zu erkennen und aufzulösen, ja, inzwischen macht dieser Umgang mit mir selbst nach kurzen unangenehmen Momenten wirklich Spaß!

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